Montag, 4. Februar 2008

Wein aus Israel, dem Bergerac und Toro, Spontangärung und mehr - Die Februar Ausgabe der Weinwelt


Ich habe soeben die letzte Seite der Weinwelt 2 / 2008 gelesen. Ich habe mir von dieser Zeitschrift, genau wie von der Vinum , ein Probeabo bestellt um herauszufinden, wie mir die Zeitschrift gefällt. Die aktuelle Ausgabe der Weinwelt, die ich hier nun kurz besprechen möchte, ist also die erste Ausgabe, die ich je von einer Wein Zeitschrift gelesen habe.

Zum Inhalt: Neben den längeren Titelthemen, auf die ich gleich genauer eingehen werde, finden sich in der Zeitschrift viele kleinere Artikel oder kurze Randnotizen über aktuelles in der Welt des Weins sowie ein größerer Weinführer und eine Leserbriefe Rubrik.

Nun aber zu den längeren Themen. Den Anfang macht das Schwerpunktthema Württemberg. Man erfährt viel über die Geschichte des Weinbaus in Württemberg, deren Topwinzer und über die aufstrebende Jungwinzer im Bundesland. Außerdem finden sich Toplisten mit den besten Weissweinen und den besten Rotweinen aus der Region. Abgerundet wird das Thema mit einem quasi eigenständigen Artikel über die Renaissance des Lembergers in Württemberg in den letzten gut 10 Jahren. Alles in allem ein Artikel der mir Lust gemacht hat, mehr Wein aus Deutschland zu trinken... (wobei ich schon mal anmerken kann, dass ich nun auch mehr Lust habe, Wein aus Israel, Italien usw. zu trinken ;) )

Im Artikel "Wild Thing" wird erklärt, was Spontangärung eigentlich ist, und was für Unterschiede es in dem Bereich noch gibt (echte Spontangärung, beimpfte Spontangärung und kommerzialisierte Spontangärung sowie Mischformen davon), was diese Art der Gärung für den Wein bedeutet und warum einige Winzer heute wieder so gären. Außerdem werden sowohl Winzer zu Wort gelassen, die Spontangärung anwenden als auch solche, die das für Unsinn halten. Ein für mich sehr interessanter Artikel, da ich bisher noch nichts über das Thema Spontangärung wusste.

Das nächste größere Thema, gleichzeitig das Titelthema der Ausgabe, trägt den klangvollen Namen "Filmreif" und beschäftigt sich mit Weinen die von Prominenten hergestellt wurden, bzw. die auf Weingütern hergestellt werden, die sich im Besitz von eben jenen Stars und Sternchen befinden. Auch wenn sich in dieser Riege teilweise klangvolle Namen finden lassen, wie zum Beispiel Francis Ford Coppola, Gérad Depardieu, Bob Dylan oder Cliff Richard, so fand ich den Bericht doch recht uninteressant, aber ich gebe allgemein nicht viel darum was Prominente so tun und was nicht...

Spannender fand ich da schon die Kellermeister im Artikel über Bergerac. In den 6 Kurzportraits erfährt man das Wesentliche über die Ansichten zum Thema Wein und über die Produkte der Winzer. Machte mir Lust auf eine Begerac-Weintour.

Allerdings nur kurz. Denn direkt auf den folgenden Seiten bekam ich dann Lust einmal die Stadt und die Region Toro zu besuchen. Bis vor einigen Jahren stand die Region klar im Schatten von Ribera del Duero, aber seit Robert Parker in Toro einen 100 Punkte Wein ausgemacht hat, boomt sowohl die Stadt als auch die Umgebung. In dem Artikel erfährt man, wie es um den Wein in der Region steht und wie sich das Stadtbild gewandelt hat. Im Zusammenspiel mit den großartigen Fotografien hat mir das Lesen viel Freude bereitet.

Im nächsten Titelthema, Biblisches Terroir, geht es um das neue, hochgelobte Weinland Israel. Die Region des Mittelmeers gilt als die Wiege der Weinkultur. Zahlreiche Funde beweisen, wie wichtig der Wein hier bereits vor 2000 Jahren gewesen sein muss. Allerdings lag die Weinkultur unter dem Einfluss des Islams für mehr als 1000 Jahre brach, bis es vor ca. 25 Jahren schließlich wieder losging mit dem Wein aus Israel. Im Artikel erfährt man über die unterschiedlichen Weine, die aus Israel kommen. So hat Israel mit dem in Winter schneebedeckten Hermon, mit der Wüste Negev oder den Golanhöhen klimatisch sehr unterschiedliche Weinbauregionen aus denen allesamt sehr gute Weine kommen. Außerdem erfährt man, dass die Winzer im Land zur Zeit alle sehr aufgeregt sind, da durchgesickert ist, das Robert Parker diesen Monat zum ersten Mal seine Bewertung israelischen Weins veröffentlichen will. Man kann gespannt sein, ob oder wieviele 95+ Punkte Weine wohl dabei sein werden.
Nicht verschweigen möchte ich allerdings, dass ich wieder mal ein Beispiel für den Schwachsinn von Religionen geliefert bekommen habe. Der großteil des Weins ins Israel wird koscher hergestellt. Damit ein Wein koscher ist müssen folgende Regeln eingehalten werden: Ausschließlich jüdische Männer die den Sabbat halten dürfen mit dem Wein und allem Herstellungsequipment in Berührung kommen, es dürfen nur koschere Produkte zugefügt werden, in den ersten drei Jahren nach der Pflanzung der Reben darf kein Wein geerntet werden, zwischen den Weinreben darf nichts anderes angepflanzt werden, alle sieben Jahre ist ein Brachjahr zu halten, ein Prozent der Weinproduktion muss weggeschüttet werden. Einige dieser Regeln, mögen ja noch begründbar sein (zum Beispiel das Brachjahr oder dass erst drei Jahre nach der Pflanzung geerntet werden darf), dennoch halte ich das schonmal für Unsinn. Allerdings schränkt das die Qualität des Weins in keiner Weise ein (es begünstigt sie aber auch nicht), anders als bei der Steigerung des Unsinns, dem mevushal Wein. Das ist koscherer Wein der dann pasteurisiert wird. Folge des ganzen ist natürlich, dass der Wein ziemlich ungenießbar wird. """Sinn""" des ganzen: Der Wein bleibt koscher auch dann, wenn ein Nicht-Jude ihn aus der Flasche ins Glas eingießt. Bekloppt.

Neben diesen Leitartikeln gibt es noch einige 2-4 seitige Artikel, die sich unter anderem mit zwei jungen deutschen Winzern beschäftigen, mit der Region Asti, mit Weingläsern oder mit einer Experteneinschätzung für die Weine aus dem Jahr 2007.

Kurz zum letzten Beispiel: Die Weine 2007 werden in jeder Region der Welt gut bis sehr gut sein. Nur in einigen Regionen auch teuer. So wurde zum Beispiel in Italien die kleinste Erntemenge seit 60 Jahren eingefahren. 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Qualität der Ernte ist dafür hervorragend. Beide Faktoren führen natürlich fast zwangsläufig dazu, dass ein 2007er aus Italien teurer werden wird, als ein 2006er.

Alles in allem hat mir die Lektüre der Zeitung viel Spass gemacht. Auch wenn ich schnell gemerkt habe, dass der Wein Genuß durchaus ein teures "Hobby" werden könnte. Noch anmerken möchte ich, dass fast jeder Artikel von wirklich schönen Fotografien begleitet wird, was mir, ähnlich wie bei der Weinschule, die Lesepass noch vergrößert hat.


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